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Der lange Largo
Die Entstehung des ersten Luxus-Audi
Largo heißt auf italienisch groß. Da es bei Firma Treser damals eine Reihe von Autos gibt,
deren Name mit L beginnt, passt das Largo gut in die Reihe. Und groß, sprich lang, ist der
Largo tatsächlich.
Die Idee einer Chauffeur-Limousine auf Audi Basis ging Walter Treser schon lange im Kopf herum.
Von Beginn seiner Tätigkeit bei Audi verfolgt er das Ziel, Audi zur Premiummarke zu machen.
Lange bevor andere bei Audi dieses Ziel formulieren oder gar unterstützen.
Als er 1976 die Leitung der Fahrzeugkonzeptentwicklung bei Audi übernimmt, kann er,
in Abstimmung und mit Rückendeckung von Ferdinand Piech, daran gehen, eigene Vorstellungen zu verwirklichen.
Im Frühjahr 1978 entsteht auf Basis des damaligen Audi 100 eine im Radstand
um 200 mm verlängerte Limousine. Der Audi 100 hat mit seinen wuchtigen Proportionen gute
Voraussetzungen und wird im hinteren Türbereich durchgesägt und ganz einfach um 20 Zentimeter verlängert.
Da die Arbeit im Versuchsbau der Entwicklung im Audi Werk ausgeführt wird, entsteht ein qualitativ
hochwertiges und durchaus ansehnliches Auto. Es wird in strahlendem Weiß lackiert – und erhält prompt
den Spitznamen Weißer Riese.
Bemerkenswert ist im Rückblick die Tatsache,
dass Treser schon damals die heutige Modefarbe Weiß für diesen ersten Luxus-Audi der Nachkriegsgeschichte
verwendet. Audi-intern sorgt der Weiße Riese für viel Beachtung und Wirbel. Gleichzeitig ist die damalige
Audi Heeresleitung noch nicht bereit, dieses Auto in das offizielle Programm aufzunehmen. Man hatte
sich noch lange nicht entschieden, Audi tatsächlich zur Premiummarke zu machen. Der Weiße Riese
bleibt somit ein Einzelstück, das nie das Licht der Öffentlichkeit sieht. Leider ist von ihm kein Foto erhalten.
Als Walter Treser dann 1982 seine eigene Firma gründet, ist es selbstverständlich, dass er rasch den
Gedanken an eine echte Chauffeur – Limousine selbst aufgreift. Sein Wille, Audi zur Premiummarke zu
machen, ist Programm. Zwar sind zunächst der quattro und seine Varianten an der Reihe, aber sobald
nach dem Umzug in die größeren Räume in Ingolstadt ausreichende
Kapazitäten geschaffen sind, nimmt der Entwickler das Projekt in Angriff. Der neue Audi 100 mit
seiner aerodynamischen Form wirkt optisch etwas zu leicht, um daraus eine
stattliche Luxuslimousine zu machen. Doch zusammen mit dem Umbaupaket, das Treser schon für den
neuen Audi 200 Turbo anbietet, wirkt die verlängerte Variante sehr
stattlich und ausgewogen, wie aus einem Guss.
Am Largo wird wieder, wie damals am Weißen Riesen, der Radstand im Bereich der hinteren Türen um
200 mm verlängert. Das Besondere: Der Wagen wird so geschickt durchgetrennt, dass
die Länge der hinteren Türen original erhalten bleibt und die Verlängerung praktisch hinter den
Türen erfolgt. Damit rückt die hintere Sitzbank weiter nach hinten zwischen die neu entstehenden
hinteren Seitenscheiben, was den Einstieg elegant erleichtert.
Unsichtbar im Bereich der Dachholme und Schweller integrierte Rohre verleihen dem Largo Stabilität,
ohne seine Optik zu stören. Der Innenraum bietet alles, was in einem Luxus Auto gut und teuer ist.
Elektrisch betätigte Seitengardinen sorgen für Intimität. Die riesige Mittelkonsole bietet Platz für
ein Barfach mit Kühlbox und Gläserhaltern. Die Klimaanlage wird erweitert und speziell auf die Bedürfnisse
der Passagiere im Fond abgestimmt. Die Sitze sind je nach Kundenwunsch als verstellbare Einzelsessel oder
als Dreierbank ausgelegt. Auch Fernsehempfang, Video oder Super-Soundanlagen werden eingebaut,
lange bevor diese Dinge zur Selbstverständlichkeit in der automobilen Welt der heutigen Premiumautos
werden.
Die Motorisierung reicht vom serienmäßigen Audi 200 Turbo bis zum leistungsgesteigerten Treser Motor
mit 250 PS. Selbstverständlich bietet Treser auch den Largo als quattro mit Allradantrieb und
entsprechend verlängerter Kardanwelle an.
Etwa dreißig Largo baut die Firma im Laufe der Jahre in Ingolstadt. Ihre Besitzer sind auf der
ganzen Welt verstreut. Einige Wagen gehen in spezieller US-Ausführung auf Basis des Audi 5000
nach Amerika, ein Wagen mit Rechtslenkung geht nach England, während japanische Kunden wahre
Luxuswagen – entgegen der dort sonst üblichen Rechtslenkung – mit europäischer Linkslenkung bevorzugen.
Auch Sultan Quabus von Oman erwirbt als treuer Treser Kunde mehrere TreserAudi Largo. Alle mit feinstem
Conolly Leder und in extravaganten, schillernden Farben.
So hat der TreserAudi Largo, lange bevor das Werk selbst die Premiumstrategie zum Programm erklärt,
vor allem im Ausland den Ruf der Marke im gehobenen Segment der Luxusfahrzeuge begründet.
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