Treser Club

Der Treser quattro roadster

Geburt einer Marke


Zum Vergrößern anklicken Der Bauernhof am Rande von Hofstetten, dem knapp 1000 Seelen Ort nur 12 Kilometer von Ingolstadt und dem Audi Werk entfernt, ist noch nicht richtig umgebaut, als Anfang 1982 die gerade gegründete Firma Walter Treser GmbH, Automobiltechnik und Design, in das Nebengebäude einzieht. Die kleine Traktorhalle ist zur Kfz-Werkstatt umfunktioniert, der Kuhstall zur Modellbauwerkstatt und darüber die ehemalige Scheune zum Großraumbüro. Daneben noch eine kleine Küche, Toiletten und ein nettes Chefbüro. Alles in allem bescheiden - aber originell, im Treser typischen Erscheinungsbild und mit ausreichend Platz für die ersten Aufträge. Acht Stunden täglich arbeitet die kleine Mannschaft aus Designern, Modellbauern und Kfz-Spezialisten an neuen Ideen im Auftrag von Audi. Aber der wahre Enthusiasmus entbrennt nach Feierabend: beim Aufbau des eigenen Treser Programms.

Zauberwerkstatt in Hofstetten.
Zum Vergrößern anklicken Mit welcher Geschwindigkeit sich damals alles entwickelt, wird klar, wenn man weiß, dass die Arbeiten am quattro roadster bereits im Herbst 1982 beginnen – und dass keine zehn Monate nach Gründung der Firma, das komplette Tuning- und Umbau-Programm vom Audi 80 bis zum quattro besteht. Die Idee, einen offenen quattro zu bauen, liegt nahe. Das gesamte Audi Programm bietet damals kein Cabriolet, wie das gesamte Modellangebot von Audi damals noch alles andere als exklusiv ist. Trotzdem genügte es Walter Treser nicht, einfach nur ein Cabriolet zu bauen. Er erinnert sich: „Es war klar, dass wir nichts machen wollten, was andere auch schon haben. Der unglaubliche Erfolg der Idee des Vierradantriebs hat uns gezeigt, dass man nur mit originellen technischen Lösungen die notwendige Aufmerksamkeit erzielt, die notwendig ist, um eine biedere Marke auf die Titelseiten der Automagazine zu bringen.

Zum Vergrößern anklicken Zum Vergrößern anklicken Und damit ist klar, dass der erste offene Audi kein normales Cabriolet würde. Walter Treser legt von Anfang an fest, dass es an Stelle eines Stoffdaches ein festes Hardtop–Klappdach haben muss, mit dem man in Sekundenschnelle aus den Annehmlichkeiten eines geschlossenen Coupés den Charme eines richtigen Cabriolets zaubern kann. Zaubern ist überhaupt das Stichwort jener Tage. Das Team hatte noch nie ein Cabrio gebaut, und eines, wie es sich Walter Treser vorstellte, gab es auf der Welt noch nie. Es hatte in der Automobilgeschichte schon mehrere Anläufe gegeben, ein Hardtop-Cabrio zu bauen, aber noch niemand fand bis dahin eine technisch befriedigende Lösung.

Zum Vergrößern anklicken Auf den großen Plantischen im Konstruktionsbüro legt das Team auf riesigen 1:1 Zeichnungen von Audi Schablonen des künftigen Klappdaches aus, um den Weg zu finden, wie und wo sich dieses Dach auf einfache Weise im Heck des Autos unterbringen lässt. Es ist ein schwieriges Unterfangen und es vergehen viele Nächte, sich der Lösung anzunähern. Doch plötzlich ist der Weg klar: Ein einteiliges, festes Dach, das sich mit einer einfachen Drehbewegung hinter und unter die Rücksitzbank schwenken lässt. Dazu ist lediglich nötig, hinter dem Dach eine zweite Klappe anzuheben, die während des Schwenkvorganges den nötigen Bewegungsraum freigibt.

Urvater einer neuen Fahrzeugklasse.
Zum Vergrößern anklicken Auf der IAA 1983 in Frankfurt stellt die Firma den „Treser quattro roadster“ erstmals der breiten Öffentlichkeit vor. Der berühmte italienische Automobildesigner Nuccio Bertone ist voll des Lobes: „Es gab schon viele Versuche, ein Hardtop-Cabriolet herzustellen. Aber noch keiner hat eine so perfekte Lösung gefunden.
Und in der Tat: Die Lösung ist so perfekt und das öffentliche Interesse so groß, dass mit dieser Treser Schöpfung tatsächlich der Vorläufer einer ganzen Generation von Hardtop Cabriolets geschaffen ist.
Offensichtlich ist aber auch die Problematik, ein starres Dach „irgendwie“ im Heck des Autos unterbringen zu müssen. So ergeben sich auch am quattro roadster Proportionen, die zwar offen sehr gut aussehen, mit dem geschlossenen kurzen Dach jedoch ein langes Heck ergeben. Zum Vergrößern anklicken Treser experimentiert mit verschiedenen Designlösungen. Und obwohl in der jungen Firma das Entwicklungsbudget sehr schmal ist, baut das Team eine zweite Variante, bei der Dach und Heckdeckel kantiger und flacher und damit dem Charakter des Urquattro besser angepasst sind. Auch hier bleiben die Proportionen am geschlossenen Auto ungewöhnlich. Aber die Originalität der Lösung überspielt alles.
Zum Vergrößern anklicken Wegen des riesigen Umbau-Umfanges, der massiven Verstärkungen im ganzen Wagen, kann das Fahrzeug nicht mehr als (umgebauter) Audi zugelassen werden. Treser erwirkt deshalb beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg die Anerkennung als Automobilhersteller und bietet die Fahrzeuge unter eigener Marke an. Die Marke Treser ist geboren. Einer der ersten Kunden für den Treser quattro roadster ist der französische Tennisprofi Henri Leconte, der den roten Wagen 1983 in Paris erhält.

Sieg einer Idee.
Zum Vergrößern anklicken Zur öffentlichen Anerkennung gesellt sich bald auch das Interesse der Autoindustrie. Wie so oft, sind es die Japaner, die sich bei Treser zuerst melden. So bekommt Treser den lukrativen Auftrag von Mazda, unter strengster Geheimhaltung einen Mazda 626 zum Hardtop-Klappdach-Cabriolet weiter zu entwickeln. Der intern Sunrise genannte Prototyp wird 1985 in einer riesigen Holzkiste nach Japan geflogen und dort in allen Details studiert. Treser selbst verfolgt seine Idee mit aller Konsequenz und baut 1987 mit dem eigenen Berliner Sportwagen TR 1 ein Fahrzeug, mit dem er beweist, dass bei richtiger Fahrzeugkonzeption mit einem einzigen bewegten Teil (dem Dach) optisch und technisch einwandfreie Lösungen möglich sind. 1996 folgt Mercedes-Benz mit dem ersten echten Serienfahrzeug, dem SLK – und wird zum Welterfolg. 1998 kommt Peugeot mit dem kleinen, originellen 206 CC, der sofort zum Marktführer für kleine Cabriolets avanciert, obwohl auch an ihm die Problematik des kurzen Daches noch zu erkennen ist. Doch allen Problemen zum Trotz: Heute gibt es kaum ein neues Cabriolet, egal welcher Marke, in dessen Ahnenreihe nicht der Treser quattro roadster und der Treser T 1 gehören würden.

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