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Der TreserAudi quattro
Auf allen Vieren

Der Audi quattro ist wohl das wichtigste
Auto im Leben von Walter Treser.
Nachdem Jörg Bensinger die Grundidee
eines hoch motorisierten PKW mit
Allradantrieb gebiert, erstellt Treser
gemeinsam mit dem Porsche-Enkel und Audi
Entwicklungsvorstand Ferdinand Piëch das
Konzept des Fahrzeuges, leitet den
Aufbau der ersten Prototyps und
übernimmt dann die Leitung des gesamten
Projektes. Selbst der Name "quattro"
entsteht an seinem Küchentisch.
Audi stellt den Serienquattro 1980 auf
dem Genfer Autosalon der staunenden
Weltöffentlichkeit vor. Walter Treser
übernimmt die Leitung von Audi Sport und
damit die Entwicklung des später
unschlagbaren Rallye-quattro. "Die
Entwicklung dieses bis dahin
kompliziertesten und aufwendigsten
Rallyeautos und das Formen einer
Mannschaft, die den Kampf um die
Weltmeisterschaft aufnehmen konnte,
waren die für mich größte
Herausforderung und Befriedigung
zugleich", bestätigt Walter Treser
heute.
Deshalb ist es selbstverständlich, dass
der Audi quattro das erste Auto ist, das
die neu gegründete Firma Walter Treser
GmbH - Automobiltechnik und Design -
zunächst 1982 in Hofstetten und dann ab
1983 in Ingolstadt veredelt. Es ist ein
mutiges Unterfangen. Audi ist damals
keineswegs eine Premiummarke und das
Interesse des Marktes nicht abzusehen.
Aber das Leitmotiv von Treser zielt
bereits damals genau darauf: "Treser -
Faszination für Audi".
Treser überarbeitet den quattro
gründlich. Die attraktiven Turboräder
mit dem Hochleistungsreifen Michelin TRX
der Größe 230/45VR415 unterstützen ein
tiefer gelegtes und neu abgestimmtes
Fahrwerk. Front- und Heckschürze werden
aggressiv und eigenständig umgestaltet,
dazu kommt ein breiter Heckspoiler.
Selbst das Dekorset, das später auch
andere Treser Fahrzeuge ziert, enthält
funktionelle Elemente, die die
dynamischen Linien des Fahrzeuges weiter
verstärken.
Das Böhmfelder Loch
Neben professionellen Autodesignern
beschäftigt die Firma Treser mit Horst
Agne einen ausgewiesenen
Fahrwerksspezialisten und begnadeten
Schnellfahrer. Er stimmt Federn,
Stoßdämpfer und Stabilisatoren,
progressive Endanschläge und
verschiedene Gummihärten auf dem
Hockenheim- und Nürburgring mit den
Firmen Koni, Bilstein und Michelin ab.
Da Walter Treser aus Zeitgründen nicht
immer dabei sein kann, finden sie
zwischen Hofstetten, dem Firmensitz, und
Böhmfeld ihre eigene "Haus"-Teststrecke
- eine winklige Landstraße, die eine
gefährliche Senke noch verschärft.
"Wir nannten es das Böhmfelder Loch,"
erinnert sich Walter Treser.
"Immer wenn Horst Agne etwas
neues ausgetüftelt hatte, kam er mit
unschuldiger Miene und empfahl mir eine
Probefahrt. Das lief immer nach dem
gleichen Ritual. Zuerst fuhr er, um mir
die Vorzüge der neuen
Fahrwerksabstimmung zu demonstrieren. Er
nahm die Kurven mit für seine
Verhältnisse 'moderater'
Geschwindigkeit, die aber für jedes
Normalauto ausgereicht hätte, um das
Böhmfelder Loch nur noch auf dem Dach zu
verlassen. Dann übernahm ich das Lenkrad
und musste natürlich zeigen, wer Herr im
Hause war und versuchte es noch
schneller". So geht das Spiel oft hin
und her, bis das ohnehin legendäre
quattro-Fahrwerk zu einem echten Treser
quattro reift.
Den Innenraum des modifizierten quattro
zieren erstmals Treser Sportsitze.
Sie zeichnet hervorragender Seitenhalt
und Öffnungen aus, die es im Rücken zur
besseren Belüftung und in den
Seitenwangen als Haltegriffe gibt. Sie
haben eine wesentliche Funktion: Starker
halt für schwache Kundennerven. Die
Verkäufer animieren unentschlossene
Kunden, die nicht gleich bereit sind,
den teuren Umbau ihres quattro bei
Treser in Auftrag zu geben, gerne zu
einer Probefahrt mit Horst Agne durch
das Böhmfelder Loch. Die meisten
unterschreiben danach den Auftrag sofort
- oft jedoch mit zitternden Händen...
Sportlich statt großserientauglich
Die Innenraumverkleidung des TreserAudi
quattro ist komplett in Vollleder
gehalten oder in Kombination mit einem
eigens entworfenen silbergrauen Stoff
mit eingewebtem Treser Logo. Eine
eigene, mit sehr sportlichen
Rundinstrumenten versehene Schalttafel
löst die im Urquattro doch sehr
"großserientaugliche" Schalttafel ab,
die mit der des Audi 80 identisch ist.
Dazu kommen schließlich noch der edle
Treser Schaltknauf, Schriftzüge und
Schlüsselanhänger.
Der teuerste Audi
Motoren zählen nicht zu den
ursprünglichen Betätigungsfeldern der
Firma. Trotzdem bietet Treser für den
quattro eine Leistungssteigerung auf 250
PS. Junge Ingenieure entwickeln das
Triebwerk in Zusammenarbeit mit Experten
aus dem Audi Werk. Ein Treser Prospekt
von 1984 zeigt am Reißbrett den jungen
Roland Mayer, der heute die erfolgreiche
Motorenschmiede "mtm" in Ingolstadt
betreibt.
Der TreserAudi quattro in
Vollausstattung mit 250 PS läuft 235
km/h und kostet damals 42.157,70 DM plus
quattro, versteht sich, den man bei
Treser anliefern muss....
Er ist damit das Schnellste und
Teuerste, was man damals unter dem Namen
Audi kaufen kann.
Ein solcher TreserAudi quattro ist heute
eine gesuchte Rarität auf dem
Liebhabermarkt und ein echter Klassiker.
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